|
|
||||
10. Juni 2010, Klagenfurt: Wie kommt es, dass ein „Institut für Höhere Tibetische Studien“ einen christlichen Theologen einlädt? „Unsere Schwerpunkte liegen einerseits in der Vermittlung des tibetischen Kulturguts, andererseits in der Förderung des Dialogs zwischen den Kulturen und Religionen“, begründet Geshe Tenzin Dhargye, Direktor des Tibetzentrums, seine Einladung an den bekannten Religionswissenschaftler der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Trotz des heißen Badewetters waren mehr als 60 ZuhörerInnen in die Pädagogische Hochschule gekommen, um Prof. Michael von Brück zu erleben. Das Thema „Bildung und Spiritualität - buddhistische und christliche Kontexte als geistige Ressourcen für Nachhaltigkeit“ birgt einigen Zündstoff in sich. Die Trennung von Geist und Materie - sprich Kultur und Wirtschaft - sei eines der Grundübel unserer Gesellschaft. So fordert Brück nichts weniger als ein Durchbrechen alter pädagogischer Muster hin zu einem ganzheitlichen Bildungskonzept, das die Bausteine „Achtsamkeit und Konzentration“, „Selbstvertrauen und Mut“ und „Konkurrenz in Kooperation“ enthält. Die asiatischen spirituellen Traditionen, insbesondere der Buddhismus, hätten hier vor allem auf dem Gebiet der Achtsamkeit und Bewusstheit der Welt viel zu bieten. Das aus der Angst folgende Sicherheitsdenken verhindere jegliche Kreativität und Innovation. Die Erfahrung des Angenommen-seins und der Verbundenheit jedoch, die sich in der Meditation einstellen kann, befreit aus Angst und Frustration. Die Erkenntnis und Einsicht in das wahre Wesen dessen, was wir sind, führt zur Hinwendung zu allen Lebewesen. Brück plädiert deshalb für eine „Schulung der Wahrnehmung“, wie sie seit jeher von allen Religionen gelehrt wird, sei es durch Gebet, Meditation, kultischen Tanz oder Gesang. Die Fähigkeit, das Bewusstsein auf ein Objekt oder auf sich selbst zu fokussieren sei überlebensnotwendig. Heute bieten vor allem die asiatischen Traditionen hier praktische Methoden und Übungen an, woraus sich Brück die große Resonanz im Westen erklärt. „Es geht nicht darum, das Gefühl gegen den Intellekt zu stellen, sondern um die Integration der beiden!“ Weitere Aspekte der Achtsamkeit seien eine Förderung der Genauigkeit in allem Tun (Qualität statt Quantität) und eine Steigerung des Selbstvertrauens. Damit werden viele Ängste gemindert, was zu einem Rückgang psychosomatischer Beschwerden und auch Destruktivität und Gewalt führen kann. Bilder:
Weitere Berichte über Vorträge des Tibetzentrums - I.I.H.T.S. >> |
||||